News

Wie bei einem Kochrezept … das Netz lebt

Meldung vom 07/16/2010

Die Elektroplaner der OVAG betreuen jährlich zig Projekte vom Netzausbau bis zur Abstellung von notorischen Schwachstellen

Jörn Spitznagel ist derzeit Aushilfe. Aushilfe auf hohem Niveau. Da die Abteilung EP (Elektroplanung) der OVAG momentan viele Projekte zu bewältigen hat, verstärkt Spitznagel – angestammter Meister Bau im Bezirk Nidda – gegenwärtig die Kollegen Bei der Warth in Friedberg. „Eine große Umstellung für mich“, räumt er ein. „Denn ich habe mehr oder weniger die Seiten gewechselt, vom Errichter zum Planer einer Anlage und habe nun einen genauen Blick hinter die Kulissen.“

Will sagen: Bekommt er in seinem „anderen“ beruflichen Leben Vorgaben, wie die Anlagen zu bauen sind, muss er sich nun den Kopf darüber zerbrechen, welche Vorgaben er den Kollegen zu machen hat, damit ein Projekt möglichst zügig und effektiv abgewickelt werden kann. „Dabei gibt es für das Gesamtkonzept eines Projekts keine Vorlage. „Das ist wie bei einem Kochrezept, bei dem man die Zutaten individuell zusammenstellen muss.“

Das setzt neben Fingerspitzengefühl eine Menge Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen voraus. „Wie bei einem Seiltanz“, vergleicht es Wilfried Crepaldi. Neben technischem Sachverstand benötigten er und seine neun Kollegen Kreativität, um die einzelnen Komponenten zu einem schlüssigen Konzept zu verbinden. „Es gibt einen technischen Rahmen, den man einhalten muss, Vorschriften, die es zu beachten gilt und natürlich ein Budget“, führt Crepaldi aus. „Außerdem: All die Behörden, mit denen wir es zu tun haben. Zudem andere Energieversorger, private wie kommunale Kunden, Grundstücksbesitzer.“

Wenn die Bagger kommen, ist die Arbeit erledigt

„Die Arbeit in EP endet mit der Planung, also dann, wenn die Monteure und die Bagger gefragt sind“, erläutert Abteilungsleiter Dietmar Kipper. Warum überhaupt in einem bestehenden Netz derart umfangreiche Planungen notwendig sind, bringt Wilfried Crepaldi auf den Punkt: „Das Netz lebt.“

Ein Teil des Aufgabenspektrums sind die OVAG-eigenen Projekte. Hier gehen die Planer beispielsweise Ideen aus den Bezirken oder von der Netzleitstelle nach, machen Vorschläge, um wiederholt auftretende Störungen endgültig zu beseitigen. Weiterer Planungsbedarf ergibt sich aus dem betrieblichen Alltag. Wenn etwa eine Lastveränderung eintritt. „Das ist zu vergleichen mit einer Straße, die aufgrund des Verkehrsaufkommens zu schmal wird. Dann verbreitert man sie oder baut eine zusätzliche hinzu“, vergleicht Dietmar Kipper.

Da gelte es, den Überblick zu behalten. So sind auf einer Karte Leitungen farblich markiert, welche die Experten in seinem Team allein schon aufgrund des Alters, des Materials und des nachlassenden Isolationsverhaltens als problematisch einstufen. Erfahrung und das Wissen aus der Datenbank führen zu Entscheidungen. „So lange das Material hält, bleibt die Leitung in Betrieb und man versucht einen Zeitpunkt abzupassen, an dem eine Kommune aus einem anderen Grund die Straße sowieso aufreißt. Erst dann wird sie ersetzt, allein um Kosten zu sparen.“

Diese Projekte machen rund ein Drittel aller Aufgaben aus. Zwei Drittel hingegen sind fremdbestimmt. Das heißt, hier geben Kommunen (Paradebeispiel Neubau oder Erweiterung von Gewerbe- und Baugebieten) und Firmen die Bedingungen vor. Wann, wie und wo.

Nicht nur die Arbeit am Computer

Beim Stichwort Kalkulation ist Nico Herzberger ganz Ohr. Er nämlich liefert die unabdingbaren Informationen für das Sys-Bau-System, in welches die Planer alle möglichen, für ein Vorhaben notwendigen Daten eingeben, um einen Kostenvoranschlag zu erhalten. „Meine Aufgabe ist es, in diesem System die Stammdaten kontinuierlich fortzuführen, es mit neuen und weiteren Daten zu füttern“, erläutert er. „Schließich verändern sich nicht nur die Preise, sondern immer wieder die Texte für die zu kalkulierenden Leistungen.“

Herzberger ist gelernter Energieelektroniker. Trotz dieser sehr speziellen Arbeit versteht er sich nicht als Buchhalter. Eher als Programmierer. „Ohne das technische Wissen wäre diese Aufgabe überhaupt nicht zu bewältigen.“ Wie alle anderen Kollegen in EP (meist Elektroanlagenmonteure) erfüllt auch Nico Herzberger eine Grundvoraussetzung: Er ist Meister seines Faches. Eine weitere Qualifikation für diese Abteilung führt übrigens über die Technikerprüfung.

Zehn bis 20 Projekte betreut jeder Mitarbeiter von EP pro Jahr. „Die reine Anzahl sagt allerdings nichts über den Umfang aus“, verweist Dietmar Kipper. Projekte, die ein Kostenvolumen von 5.000 bis über 100.000 Euro haben können. „Die Kosten stehen natürlich in engem Zusammenhang mit der Zeit, die für die Planung benötigt wird.“

Rückblick auf 20 Jahre EP: „Früher haben wir mit gleichem Aufwand viel mehr Projekte durchziehen können“, erzählt Dietmar Kipper. Was zu einem großen Teil an der Zahl von behördlichen Genehmigungen liege, die bearbeitet werden müssten. Ein Fakt, der bisweilen die Freude an der Arbeit ein wenig trübt. „Aber was soll´s“, zuckt er mit den Schultern. Es muss weitergehen. Schließlich: „Das Netz lebt …“, lächelt Dietmar Kipper.

zur Übersicht


Seitenanfang
Seite drucken
Seite weiterempfehlen
© 2010 OVVG -
Impressum
-
Datenschutz
-
Haftung